Die Hintergründe

Wald, gleich ob Staats-, Kommunal- oder Privatwald, gerät seit einiger Zeit zunehmend in ein gesellschaftliches Spannungsfeld. Die Ansprüche an seine vielfältigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen steigen kontinuierlich an und führen dabei immer mehr zu widerstreitenden Konfliktsituationen.

Die bislang überwiegend praktizierte multifunktionale Forstwirtschaft, d.h. die gleichzeitige Umsetzung von nachhaltiger Holzproduktion, Biotop- und Artenschutz sowie vielfältigen Erholungsdienstleistungen stößt aufgrund der verstärkten Berücksichtigung von Einzelinteressen und Forderungen mittlerweile an naturgebene Grenzen.

Dieser Entwicklung wirkt Wald 2.0 entschieden entgegen, da das Projekt sowohl für kommunale als auch für private Wälder entwickelt wurde.

Der Privatwald im Bergischen Land wird u.a. geprägt durch seine Kleinparzelliertheit. Aufgrund der seit Jahrhunderten in dieser Region bestehenden Realerbteilung ist der durchschnittliche Waldbesitz auf deutlich unter 2 ha geschrumpft. Damit einhergehend sind Probleme in der nachhaltigen flächigen Bewirtschaftung verbunden, da die Eigentümer ihren Wald wenn überhaupt nur aussetzend und gemeinsam bewirtschaften können, d.h. nach einer in ihrem Wald möglichst abgestimmt durchgeführten Maßnahme zunächst erst wieder einige Jahre warten müssen.

Vielfach sind Waldeigentümer infolge von Erbübertragung, Wegzug, völlig anders gelagerter beruflicher Ausrichtung oder aufgrund ihrer persönlicher Motive häufig zeitlich und fachlich nicht mehr in der Lage, sich um ihren Waldbesitz angemessen zu kümmern.

Für kommunale Waldbesitzer bedeutet die vielfach dramatische Entwicklung kommunaler Haushalte ebenfalls häufig ein Überdenken der Notwendigkeit des kommunalen Waldeigentums, zumal die dort herausragende Bedeutung und Berücksichtigung der Erholungsfunktion den Stadtwald i.d.R. zu einem Zuschussgeschäft machte. Überlegungen zum Waldverkauf an private Investoren werden vereinzelt mit der Konsequenz umgesetzt, dass die neuen Waldeigentümer ihren Wald nach eigenen persönlichen Vorstellungen und Interessen bewirtschaften möchten.

Ökonomische, einseitig holzwirtschaftlich, jagdlich oder naturschutzmäßig ausgerichtete Interessen führen infolge dessen dazu, dass die Bürger „ihren“ Wald vor der Haustüre, über dessen Eigentumsverhältnisse sie sich bislang keine Gedanken machen mussten, nach Eigentumsübertragung nicht mehr uneingeschränkt nutzen können und Konflikte z.B. durch Kahlschläge, überhöhte Wildbestände, zerstörte Waldwege, mangelnde Verkehrssicherheit vorprogrammiert sind und das zuvor bestehende freie Waldbetretungsrecht faktisch eingeschränkt werden könnte.

Diesbezügliche negative Beispiele aus Nordrhein-Westfalen führten bereits in einigen Regionen zu großem öffentlichem Protest und zur Entstehung von Bürgerinitiativen.