
Wald 2.0 war ursprünglich der Projektname für die Initiative, aus der 2013 die Waldgenossenschaft Remscheid hervorging. Heute steht der Begriff für etwas Größeres: ein neues Verständnis davon, wie Wald in Bürgerhand organisiert werden kann – jenseits von Staat, Privatbesitz und Spekulation.

In den Jahren 2011 bis 2013 arbeitete eine Gruppe Remscheider Bürger:innen an einem ungewöhnlichen Konzept: einem Wald, der vielen gemeinsam gehört. Das Projekt trug den Arbeitstitel „Wald 2.0".
Im März 2013 wurde aus der Idee Wirklichkeit – mit der Gründung der ersten Bürgerwaldgenossenschaft Deutschlands. Heute, über ein Jahrzehnt später, ist die Waldgenossenschaft Remscheid auf 367 Mitglieder aus ganz Deutschland gewachsen und bewirtschaftet etwa 80 Hektar Wald im Bergischen Land. Tendenz: weiter steigend.
Trockenheit, Hitze, Borkenkäfer, Stürme: Der Klimawandel setzt unseren Wäldern in einer Geschwindigkeit zu, die niemand für möglich gehalten hätte. Gleichzeitig wachsen die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald als Erholungsraum, Holzlieferant, Wasserspeicher und Klimaschützer. Diese Mehrfachbelastung trifft Staats-, Kommunal- und Privatwald gleichermaßen – und führt zunehmend zu Konflikten.

Nachhaltige Holzproduktion, Klima-, Boden-, Biotop- und Artenschutz, Erholung und Wasserrückhalt – all das sind sogenannte Ökosystemleistungen des Waldes. Sie alle gleichzeitig zu erbringen, stößt zunehmend an naturgegebene Grenzen, je stärker Einzelinteressen den Diskurs prägen. Wir wollen über diese Leistungen aufklären, ihren Wert sichtbar machen und für mehr Verständnis und Rücksichtnahme werben.
Der Privatwald im Bergischen Land ist durch jahrhundertelange Realerbteilung extrem zerstückelt – der durchschnittliche Waldbesitz liegt deutlich unter zwei Hektar. Das macht eine flächige, planvolle Bewirtschaftung und einen geordneten ökologischen Waldumbau schwierig. Viele Eigentümer:innen können aus zeitlichen, geografischen oder beruflichen Gründen ihren Wald nicht mehr selbst pflegen. Die aktuelle Schadenslage verschärft die Situation zusätzlich.


Auch viele Kommunen überdenken angesichts angespannter Haushalte und massiver Schadflächen seit 2018, ob sie ihren Wald halten können. Der Stadtwald ist meist ein Zuschussgeschäft – seine Erholungsfunktion lässt sich schließlich nicht in Bilanzen abbilden. Einzelne Kommunen haben Flächen bereits an private Investoren verkauft – mit der Folge, dass diese den Wald nach ihren eigenen Vorstellungen bewirtschaften.
Wenn der Wald „vor der Haustür" plötzlich nach rein ökonomischen, jagdlichen oder einseitig naturschutzfachlichen Interessen umgestaltet wird, sind Konflikte programmiert: Kahlschläge, überhöhte Wildbestände, beschädigte Waldwege, eingeschränkte Verkehrssicherheit, faktisch verlorenes Betretungsrecht. In mehreren Regionen Nordrhein-Westfalens haben solche Entwicklungen bereits zu Bürgerprotesten und neuen Initiativen geführt.


Wald 2.0 öffnet Bürger:innen, privaten Anlegern, Unternehmen und Organisationen einen neuen Weg in den Waldbesitz: Schon mit einem überschaubaren Beitrag werden Sie über Ihre Genossenschaftsanteile echte:r Miteigentümer:in eines realen Waldes – ohne selbst Hand anlegen zu müssen, ohne forstwirtschaftliches Vorwissen, aber mit voller demokratischer Mitsprache.
Die Verbindung von Genossenschaftsrecht mit dem Konzept eines bürgerschaftlich getragenen Waldes war 2013 bundesweit einmalig – und ist es bis heute. Sie erlaubt uns, privates Kapital einzusetzen, um Flächen verkaufswilliger Privat- und gelegentlich auch kommunaler Waldbesitzer:innen zu erwerben. Anschließend bewirtschaften wir diese Flächen einheitlich, naturgemäß und nachhaltig – als echten Bürgerwald, für alle nutzbar.

Wir folgen den Standards und Prinzipien der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e.V. (ANW). Das bedeutet konkret: strukturreiche Mischwälder statt Monokultur, einzelstammweise Nutzung statt Kahlschlag, natürliche Verjüngung statt Aufforstung mit Pflanzen aus der Baumschule, wo immer möglich. So entstehen Wälder, die klimaangepasst, widerstandsfähig und ökologisch wertvoll sind.
Die operative Umsetzung erfolgt in enger und seit Jahrzehnten bewährter Zusammenarbeit zwischen dem Forstverband Remscheid und dem Stadtforstamt Remscheid. Diese Kooperation gleicht die strukturelle Schwäche des kleinparzellierten Privatwalds aus und bringt jahrzehntelange Erfahrung in unsere Bewirtschaftung ein. Gleichzeitig fließen Ideen und Engagement unserer Mitglieder ein – Menschen, die sich für ihren Wald interessieren und mit ihm verbunden fühlen.
Unsere Flächen sind PEFC-zertifiziert.
Die Ausgabe und Vermarktung unserer Genossenschaftsanteile wird seit Jahren großzügig durch die Stadtsparkasse Remscheid unterstützt – als Ausdruck ihres regionalen Engagements für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz.
Unser Anliegen ist bewusst nicht, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften. Wir gehen jedoch davon aus, dass regionale Wald-Investments mittel- und langfristig wertstabil sind – weltweit nimmt die Waldfläche dramatisch ab, gleichzeitig steigen Holz- und Biomassebedarf weiter. Im Gegensatz zu Anteilen an tropischen Holzplantagen ist unser Wald für unsere Mitglieder darüber hinaus begeh-, kontrollier-, erleb- und nutzbar. Sie können ihren Wald jederzeit besuchen, Veranstaltungen besuchen oder Pflegeaktionen begleiten.


Seit der Gründung 2013 wurde die Waldgenossenschaft Remscheid mehrfach für ihr Modellprojekt ausgezeichnet, unter anderem von:
Mitglieder aus ganz Deutschland
bewirtschaftete Waldfläche
Geschäftskapital
Aus einer Bürgerinitiative wurde ein Modellprojekt. Aus einer Idee wurde Wald, der vielen gehört. Jetzt geht es darum, weiterzuwachsen – mit Menschen, die Verantwortung für ein Stück echten Wald übernehmen wollen.